dumbos

Dumbos                      

und andere seltenere Heimtierratten  

Über Dumbos und sogenannte "Qualzuchten" wurde schon viel geredet und geschrieben. Leider fehlt meistens der Nachweis für diese Behauptungen. Wir werden versuchen, auf dieser Seite objektiv dazu Stellung zu beziehen.

Ein Quellenverzeichnis gibt es auf der Seite "Impressum".

Was sind Qualzuchten?

Im deutschen Tierschutzgesetz (TSchG § 11 b) heißt es:

"Es ist verboten, Wirbeltiere zu züchten ..., wenn damit gerechnet werden muss, dass bei der Nachzucht ... erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten." 

Zu den Qualzuchten werden in Deutschland schwanzlose Ratten, Nacktratten, Patchwork-Ratten, Rex-Ratten, Dumbo-Ratten und Ratten mit roten Augen gezählt. Tatsächlich sind aber nicht alle diese Tiere behindert. Wir werden im Folgenden darauf eingehen. Bei allen diesen Arten hat man meistens die besonders zahmen Exemplare zur Weiterzucht benutzt. Im Ausland sind diese Ratten besonders beliebt und begehrt und es wurde bewiesen, daß keineswegs alle diese Rattenarten "Qualen" leiden!

 

(Foto: S. Flechsig)

Es wird oft behauptet, daß Dumbo-Ratten wegen ihrer großen Ohren Qualzuchten seien, aber auch bei normalohrigen Ratten gibt es behinderte Tiere! So haben die Ratten mit besonders schmalen Köpfen oft Schwierigkeiten mit der Atmung oder die normalohrigen Ratten mit besonders breiten Köpfen eine schwierige Geburt.

(Fotos von A. T. di Miceli)

Hier finden Sie Fotos von Dumbo-Ratten

 Außerdem gibt es die sogenannten "restricted genes", d. h. es wird nicht empfohlen, Ratten mit diesen Genen weiterzuzüchten, weil die Nachkommen Defekte aufweisen können wie z. B. Megacolon (s. unter Frage und Antwort). Megacolon kommt bei weißen Ratten mit schwarzen Augen vor oder bei Ratten mit viel Weiß-Anteil, z. B. Blessen-Tieren (black eyed white, blazed Berkshire usw.).  U. a. gehört zu den restricted genes das Pearl-Gen. Verpaart man zwei Pearl-Tiere, sterben die Welpen oft schon vor der Geburt.  

Albinos sind nicht in der Lage, bestimmte Farbstoffe (Melanine) zu bilden und in ihre Körperzellen einzulagern. Daher sind ihre Haut und ihr Fell mattweiß. Die Pigmentlosigkeit betrifft auch die Regenbogenhaut (Iris) des Auges, das Blut schimmert an dieser Stelle deutlich durch, sodaß die Iris blutrot erscheint - wir erkennen rote Augen. Auch bei manchen (hellen) Farbschlägen sind rote Augen obligatorisch (Buff: Augen dark ruby; Champagne: Augen red; Topaz: Augen dark ruby, so dunkel wie möglich; Himalyan: Augen red; Seal Point Siamese: Augen ruby; inzwischen werden aber auch schon Himalayan und Siamese mit schwarzen Augen gezüchtet). 

    

links: Albino-Rättin, normalohrig, Augenfarbe pink
rechts: Siam Dumbo Bock, Augenfarbe ruby

Mitte: Siam Dumbo mit schwarzen Augen

Da Farbpigmente in der Iris u.a. als Lichtfilter wirken, sind pigmentlose Augen strahlungsempfindlicher und rotäugige Tiere somit wesentlich sensibler gegenüber grellem Licht als Tiere mit dunkel gefärbter Iris. Nachgewiesenermaßen haben rotäugige Tiere auch eine geringere Sehschärfe. Wahrscheinlich wirkt das leichte Pendeln des Kopfes mit Anvisieren, das jeder Rattenhalter bei seinen "Rotaugen" gelegentlich beobachten kann, diesem Mangel entgegen. Wanderratten scheinen nicht farbtüchtig zu sein. Nach neuesten Untersuchungen sind sie aber in der Lage, bestimmte Spektralbereiche ultravioletten Lichtes wahrzunehmen. Bei unseren Heimtieren kann man beobachten, daß sie markieren, d. h. Urinspuren hinterlassen, und besonders rotäugige Tiere sich beim Auslauf im Rattenzimmer an diesen Spuren orientieren. Wahrscheinlich sehen sie diese Spuren.

Ratten sind allgemein keine Augentiere, eher Nasentiere wie z. B. Hunde. Auch das Gehör und der Tastsinn sind bei ihnen gut ausgeprägt. Da sie eher dämmerungsaktiv sind, sind diese Sinne auch wichtiger für sie als die Sehtüchtigkeit. Mit dem guten Gehör- und Gleichgewichtssinn, Tastsinn und Geruchssinn erhalten die Nager ein sehr detailliertes Bild ihrer Umwelt - und das sogar bei völliger Dunkelheit.  

Dumbo-Ratten haben seitlich angesetzte aufgefaltete Ohren, wodurch der Kopf flacher erscheint. Die Wirbelsäule ist nicht defekt. Sie haben einen starken Muskel im Nacken, der durch die Kopfform besonders auffällt. Sie sind keineswegs taub, wie oft behauptet wird. Sie können auch durchaus ihre Ohren bewegen. Da es ruhige Tiere sind, rennen sie nicht hektisch davon, wenn man mit den Fingern schnippt oder an die Box klopft (angeblich ein Beweis für ihre Taubheit). Natürlich gibt es hin und wieder auch taube Ratten, nicht nur unter den Dumbos. Das liegt aber eher an der Unseriosität der Züchter, die wahllos alles zusammensetzen und sich vermehren lassen. Ein seriöser Züchter wird keine kranken oder behinderten Tiere weiterzüchten. Dumbo-Ratten sind in der Regel besonders lieb und menschenbezogen.  Das hängt aber nicht mit ihrer angeblichen Behinderung zusammen, sondern weil man besonders nette Tiere weitergezüchtet hat. Es gibt ja auch bei normalohrigen Ratten ruhige, liebe Exemplare und bissige, aggressive Tiere. Dumbos gibt es in allen Fellarten, Farbschlägen und Zeichnungen wie normalohrige Heimtierratten. Die Ohrenform der Dumbo-Ratten kann unterschiedlich sein - rund, spitz, gefaltet, glatt usw.

  

Rex-Ratten unterscheiden sich von "normalen" Ratten durch ihr gekräuseltes Fell. Es gibt hier verschiedene Arten, samtiges oder gelocktes oder gekräuseltes Fell. Das Fell am Bauch kann etwas glatter sein. Selbst die Vibrissen (Tasthaare) sind bei den Rex-Ratten gekräuselt, aber etwas kürzer als bei normalen Ratten. Das Rex-Gen ist dominant. Es gibt sogar 5 verschiedene Gene, die das gekräuselte Fell bewirken. Rex-Ratten gibt es in allen Farbschlägen und Zeichnungen und auch mit Dumbo-Ohren. Sie werden seit 1976 in England gezüchtet.

Schon bald nach der Geburt der Welpen erkennt man anhand der Beschaffenheit der Tasthaare, ob die Ratten ein glattes oder gekräuseltes Fell haben werden. Im Laufe ihrer Entwicklung ändert sich die Struktur des Fells mehrmals. Mit 2 Wochen bekommen Rex-Ratten ein gekräuseltes Fell, danach sieht es gewellt aus, bis es zum Schluß (mit ca. 6 Monaten) wieder kraus ist und in höherem Alter die Ratten aussehen, als hätten sie kahle Stellen. Das Fell wird dünner, hat Wirbel und die Haut schimmert an manchen Stellen durch. Daß den Rex-Ratten die Tasthaare über den Augen ausgerissen werden müssen, weil sie durch die Krümmung in die Augen wachsen, gehört in den Bereich der Fabel. Wir haben noch nicht beobachtet, daß die Augen der Rex-Ratten durch ihre Vibrissen verletzt wurden. Sollte es einmal der Fall sein, könnte man die Augenbrauen auch kürzen. Das Herausreißen der Haare wäre Tierquälerei.

                

Rättin Dumbo Rex  (Velvet) und  Bock normalohrig glatthaarig

  

Etwa die Hälfte der Nachkommen hat Rex-Fell, die andere Hälfte glattes Fell, alle haben normale Ohren. Es fallen keine Dumbos. Die Nachkommen sind jedoch Dumbo-Träger. Verpaart man diese Nachkommen mit Dumbo-Ratten, kann wiederum ein Teil der Welpen Dumbo-Ohren haben.

Bei Verpaarung einer Rex-Ratte mit einem glatthaarigen Partner wird ein Teil der Welpen mit der Anlage zu Rex-Fell, ein Teil mit der Anlage zu glattem Fell geboren. Rex und Rex kann Patchwork-Ratten (Doppel-Rex) und Nacktratten ergeben. Die Vibrissen sind bei allen diesen Tieren gekräuselt. Im Alter von ca. 4 - 6 Wochen verlieren manche Rex-Ratten ihr Fell, bekommen es aber nach ca. 2 Wochen wieder. Bei Patchwork-Ratten wächst nur an einigen Stellen ein kurzes, dünnes Fell (z. B. am Kopf oder Rücken), das dann wieder ausfällt und dafür an anderer Stelle neues Fell erscheint. Diese Ratten sehen aus wie ein Flickenteppich. Fuzz-Ratten haben ein feines, seidiges Haarkleid, ähnlich wie Pfirsichhaut.

Vor einiger Zeit trat in den USA eine neue Mutation auf: Langhaar-Ratten (Harley). Da viele Leute an Neuheiten interessiert sind, wurden diese Ratten durch Inzucht vermehrt und weitergegeben. Einige Tiere landeten in der Tschechischen Republik. Leider zeigten sich bei dieser Züchtung verschiedene Defekte, so daß die Zucht - zumindest in der Tschechischen Republik - eingestellt wurde.

Nacktratten sind besonders in den USA wegen ihres freundlichen, anhänglichen Wesens beliebt.

Diese Tiere haben gar kein Fell und daher eine empfindlichere Haut. Je nachdem, welche Zeichnung sie tragen, kann die Haut dunkel sein bzw. dunkle Stellen aufweisen. Sie vertragen keine Sonne (Sonnenbrandgefahr) und keine Kälte. Das ist aber bei allen Heimtierratten der Fall - sie gedeihen am besten im gemäßigten Klima und mögen kein grelles Licht. Die nackte Haut ist eine Geschmacksfrage - manche Menschen lieben ja auch ihren Nackthund oder ihre Nacktkatzen.

Außer Ratten mit normalem, glattem oder gekräuseltem Fell gibt es auch noch Satin-Ratten. Hier ist jedes einzelne Haar dünner und durchscheinend, wodurch der besondere Glanz-Effekt hervorgerufen wird. Satin-Ratten werden mit gebogenen Barthaaren geboren. Mit ca. 3 Monaten verlieren die Ratten den Glanz im Fell und bekommen ihn mit ca. 6 Monaten wieder zurück. Satin-Ratten haben ein weicheres Fell als normale Ratten, selbst bei den Böcken merkt man deutlich den Unterschied zum harten Fell der normalen ausgewachsenen Böcke. Manche Menschen lieben gerade dieses weiche Fell, weil sie sehr empfindliche Haut haben und es beim Streicheln und Schmusen der Satin-Ratten selten Hautirritationen gibt.

Schwanzlose Ratten
Schon 1915 und 1917 erschienen in den USA Berichte über schwanzlose Ratten. Sie sind also nichts Neues. Leider hatten viele dieser Tiere Defekte, besonders im Bauch- und Beckenbereich, am Rücken und am Hinterteil. Seit ca. 10 Jahren gibt es gesündere schwanzlose Ratten. Das Nichtvorhandensein des Schwanzes ist genetisch bedingt. Die Wirbelsäule ist bei ihnen verändert, es ist also nicht nur das Fehlen des Schwanzes, was das eigenartige Aussehen verursacht. Grundsätzlich sind schwanzlose Ratten besonders freundlich, verschmust, sehr menschenbezogen und verspielt. Interessanterweise sind sie oft die dominanten Tiere in einem Rudel.

Bei schwanzlosen Rättinnen gibt es oft Schwierigkeiten unter der Geburt. Manche Weibchen sind unfruchtbar. Andere werden tragend, können aber wegen ihres veränderten Beckens nicht gebären. Dann muß man einen Kaiserschnitt anwenden oder die Tiere einschläfern lassen. In einem Wurf sind aber nicht alle Welpen schwanzlos.

Exotische Nager 

(bitte anklicken)