rattenhaltung

Diese Ratschläge erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Sie beruhen auf unseren eigenen Erfahrungen. Wer mehr wissen möchte, kann unter FAQS (Fragen und Antworten) nachschauen oder uns kontaktieren.

Was Ratten mögen und
was Ratten nicht dürfen

   

Ratten lieben Hängematten

Es gibt schöne Hängematten, Tunnel und Spielhäuser (für Frettchen; aber auch für unsere Heimtierratten geeignet) in der Zoofachhandlung zu kaufen. Eine gute und preiswertere Lösung ist es, Hängematten oder Tunnel selbst zu basteln. Bestens geeignet sind hierfür die abgeschnittenen Hosenbeine von alten Jeans, mit Schlüsselringen, Ketten und Haken im Käfig zu befestigen. Bänder und Leinen werden von manchen Ratten liebend gern durchgebissen. Bewährt hat sich dicker, ummantelter Blumendraht. Aus alten Handtüchern, Bettlaken und nicht färbenden, waschbaren Stoffresten kann man ebenfalls schöne Hängematten nähen.

Ratten brauchen Gesellschaft

Ratten sind soziale Tiere und brauchen Artgenossen zum Spielen, Schmusen und gegenseitigen Putzen. Aber bitte nie Böcke und Rättinnen, sondern nur gleichgeschlechtliche Tiere zusammen halten! Die Nachkommenschaft wäre sonst zu groß und landet dann womöglich im Tierheim. Eine Rättin ist alle 2 - 3 Tage "heiß". Die Tragzeit beträgt ca. 23 Tage. Gleich nach der Geburt (8 - 12 Welpen) kann die Rättin wieder gedeckt werden, so daß der nächste Wurf schon fällt, wenn der erste noch gar nicht richtig selbständig ist. Mit ca. 2 Wochen öffnen die Kleinen ihre Augen und Ohren und fangen an, normales Futter zu fressen. Im Alter von ca. 6 Wochen sind die Ratten schon fortpflanzungsfähig und müssen dann nach Geschlechtern getrennt werden. Möchte man Weibchen und Böcke in einem großen Rudel zusammen halten, muß man die Böcke kastrieren lassen. Das geschieht am besten, wenn sie voll entwickelt und fast ausgewachsen sind, ab einem Alter von 4 Monaten. Bei einem rattenerfahrenen Tierarzt ist der Eingriff (möglichst mit Inhalationsnarkose) verhältnismäßig problemlos. Nach 3 Tagen ist die Operation meistens vergessen. Die Rattenböcke müssen allerdings erst lernen, dass sie keine richtigen Böcke mehr sind. Bis zu 3 Wochen nach der OP sind sie noch zeugungsfähig, dürfen also nicht sofort zu den Weibchen gesetzt werden, wenn man keinen Nachwuchs haben will.

Kastration wird auch empfohlen für besonders aggressive und dominante Böcke. Es wird allerdings kein Erfolg garantiert. Manche Böcke bleiben auch nach der Kastration angriffslustig, Ratten und/oder Menschen gegenüber,  sind aber ruhiger als vorher. Nur mit viel Geduld und Liebe kann man ängstliche oder aggressive Ratten zutraulicher machen. Die meisten "bissigen" Ratten sind Angstbeißer oder haben Schmerzen. Durch Beobachtung kann man ihre Stimmung erkennen. Nicht bedrängen, nicht bestrafen! Muß man eine bissige Ratte transportieren oder sie aus dem Käfig nehmen, hilft ein Iglu (oder ein Karton). Ratten sind neugierig und kriechen gern in dunkle Röhren. Hält man einen Iglu vor die geöffnete Tür, werden die Ratten gern hineingehen, besonders wenn sie ein Leckerli darin riechen. Mit diesem Iglu kann man sie dann zur Transportbox (zum Tierarzt) oder in einen anderen Käfig bringen. Bitte Ratten niemals am Schwanz hochheben. Es tut ihnen weh und der Schwanz könnte brechen. Außerdem könnte sich an den Druckstellen die Haut vom Schwanz lösen.

Der Rattenkäfig
In den Zoofachgeschäften gibt es viele Käfige, aber keiner ist perfekt für Ratten geeignet. Man muß sich den gewünschten Käfig selbst bauen (lassen) oder gekaufte Käfige selbst einrichten.

    Makrolonwannen sind natürlich keine geeignete Behausung!

 

 

Es ist keine bestimmte Größe für den Käfig vorgeschrieben, aber je höher und größer, desto besser! Was für 5 Rattenweibchen ausreicht, kann für 4 Böcke zu klein sein. Ein Käfig für 2 - 4 Ratten sollte die Maße von 80 x 50 x 150 cm nicht unterschreiten. Nicht fehlen dürfen mehrere Etagen, Leitern, Häuser und Iglus zum Verstecken und zum Schlafen, und Hängematten! Futternäpfe und Trinkflaschen sind selbstverständlich. Eine Katzen- oder Nagertoilette, gefüllt mit nicht staubender, nicht klumpender Streu, ist ebenfalls angeraten. Wenn die Ratten viel Auslauf haben, z. B. ein Rattenzimmer für sich, können die Käfige auch etwas kleiner ausfallen. Auf jeden Fall sind Hamsterkäfige als Daueraufenthaltsort ungeeignet. Als vorübergehende Unterbringungsmöglichkeit für kranke Ratten  oder Ratten mit gelähmten Hinterbeinen, die nicht mehr klettern können, kann ein flacher Käfig jedoch sehr nützlich sein.

            

Katzentoilette mit Katzenstreu,
Nagertoilette mit Holzpellets

Täglicher Auslauf und Streicheleinheiten sind für das Wohlergehen unserer Heimtierratten lebensnotwendig. Junge Ratten spielen, klettern und toben gern. Mit ca. 6 Monaten werden Ratten, besonders die Böcke, in der Regel etwas ruhiger. Rattenweibchen sind lebhafter, klettern, springen, nagen, bauen Nester und buddeln gern. Manche Ratten lieben im Sommer auch ein Bad im warmen Wasser. Es ist aber von Fall zu Fall verschieden - Ratten sind so unterschiedlich wie die Menschen. Es gibt Große und Kleine, Dicke und Dünne, Lebhafte und Träge, und natürlich auch Oldies und Kranke. Gesunde Ratten braucht man nicht zu baden, sie putzen sich oft, öfter noch als Katzen.

Möchte man seine Ratten zur Ausstellung bringen, sollte zumindest der Schwanz gewaschen und das Fell mit einem weichen Tuch abgerieben werden. Hormonbedingt haben Rattenböcke ein härteres Fell als Weibchen und Kastraten.  

Manche Ratten sind regelrechte Möbelzerstörer und Kabelbeisser. Deshalb sollte das Rattenzimmer rattensicher gemacht werden. Um die Kabel (und die Ratten vor Stromschlag) zu schützen, kann man die Kabel mit einer Manschette (z.B. bei IKEA erhältlich) versehen oder mit einem Spezialmantel aus Plastik umwickeln.  Ratten markieren ihr Revier, Rättinnen ebenso wie Böcke. Deshalb ist ein abwaschbarer Fußboden im Rattenzimmer günstiger und besser zu reinigen als Teppichboden.      

Das Futter

Rattenfutter muß eine andere Zusammensetzung haben als das Futter für Hunde und Katzen, da Ratten wie Schweine und Menschen Allesfresser sind, d. h. sie essen beides, Pflanzen und Tiere. Ratten brauchen keinen Salzleckstein, sie bekommen alles Salz, das sie benötigen, aus ihrem Futter. Im Zoofachhandel gibt es gute Fertigfuttermischungen für Ratten. Die Futtermenge sollte zu 80 % aus Trockenfutter bzw. spezieller Rattenfuttermischung bestehen, dazu sollte man täglich ca. 20 % Obst und Gemüse geben, gelegentlich gekochten Reis, Nudeln roh oder gekocht, Müsli ohne Zuckerzusatz, Pellkartoffeln, Quark, Joghurt, ein gekochtes Ei mit Schale (enthält Kalk für die Knochenbildung!).       

       

Natürlich muß immer Wasser zum Trinken vorhanden sein. Eine Nippeltränke hält das Wasser frisch und sauber. Ein offener Wassernapf verschmutzt zu leicht durch Einstreu oder Futterreste. Beim Trinkwasser sollte man darauf achten, daß es kein Blei, Fluor oder zu viel Chlor enthält. Diese Dinge sind giftig für Ratten. Besser gibt man bei nicht einwandfreiem Leitungswasser Mineralwasser ohne Kohlensäure oder filtriertes Wasser. Da Ratten nicht aufstoßen und sich nicht erbrechen können, sind kohlensäurehaltige Getränke schädlich für sie.

 

Erlaubt und empfohlen

Manche Ratten lieben Küchenkräuter (Kresse, Petersilie, Basilikum, Thymian,  Lavendel etc.). Der Geschmack ist unterschiedlich. Aber bei allem: bitte in Maßen!

 

Viele Ratten mögen auch gern an Nagersteinen knabbern. Es dient der Kalkaufnahme für die Knochenbildung und schont die Tapeten!

Kaffee, Alkohol, Orangensaft, Schokolade, Blauschimmelkäse, grüne Bananen, rohe Kartoffeln oder Kartoffelschalen und vieles mehr sowie alle Genußmittel sind verboten, ebenso stark gewürzte, fettige und salzige Speisen und bestimmte Obst- und Gemüsesorten. Mit Kohl (Weiß- oder Rotkohl und Rosenkohl) sollte man die Ratten nicht füttern - nicht wegen der Blähungsgefahr, sondern weil Kohl ein Lagergemüse ist, das von Pilzen befallen sein kann, die auch durch Kochen nicht unschädlich gemacht werden können. Uns Menschen schadet Kohl dagegen nicht. Etwas anderes ist es mit Broccoli, der frisch geerntet wird. Ebenso ist Grünkohl reich an Vitaminen und Spurenelementen. Erdnüsse mit Schale werden nicht angeraten, da sie oft lange lagern und verpilzt sein können. Die Ratten bekommen davon Atemwegsbeschwerden genau wie Papageien.

Es sollte grundsätzlich nur frisches und unverdorbenes Futter gegeben werden, keine Küchenabfälle oder Essenreste.  Auf keinen Fall von Schimmel befallene Produkte! Leckerlis (Joghurt-Drops, Gemüseringe für Nager etc.) sind erlaubt, aber nur in kleinen Mengen. Zu viel Eiweiß ist speziell für die Böcke schädlich. Sie können davon Nieren- und Blasenbeschwerden bekommen. Man erkennt es an dem struppigen Fell.

Gesundheit

Ratten sind dämmerungsaktive Tiere, richten sich jedoch auch nach dem Tagesablauf ihrer Menschen. Die Ratten sollten in einem Zeitraum von 24 Stunden mindestens 8 Stunden in völliger Dunkelheit verbringen können. Sind sie dauerhafter starker Helligkeit ausgesetzt, können die Weibchen verhängnisvolle Eierstockzysten entwickeln und beide Geschlechter neigen dann eher zu Tumoren. Daher bitte kein Nachtlicht im Rattenzimmer brennen lassen und die Fenster verdunkeln, falls starkes Licht z. B. von Straßenlaternen von außen eindringen kann. Auf jeden Fall muß ein Schlafhäuschen vorhanden sein, in dem die Ratten sich bei Bedarf verstecken können.

 

Wichtig ist es auch, sich rechtzeitig nach einem guten, rattenerfahrenen Tierarzt umzuschauen. Es gibt viele "Hausmittel" und homöopathische Präparate, die bei leichteren Erkrankungen oder Verletzungen helfen, es muß nicht immer gleich Baytril sein. Baytril ist für junge Ratten ungeeignet, da es das Knochenwachstum behindert. Für die Kleinen ist ein anderes Antibiotikum geeigneter. Es gibt inzwischen viele verschiedene Antibiotika gegen die verschiedensten Erkrankungen. Die Atemwegsprobleme sind nicht immer Infektionen, sondern können u. a. von Herzkrankheiten herrühren, die andere Medikamente erfordern. Am besten ist es, sich von einem guten Tierarzt beraten zu lassen.

Wenn die Ratten Kratzstellen aufweisen, besonders im Nacken, und das Fell unordentlich aussieht, besteht der Verdacht auf Parasiten. Meist sind es Haarlinge. Sie können z. B. durch Heu oder andere Ratten übertragen werden. Auch Menschen können Haarlinge übertragen. Allerdings können die Haarlinge nicht lange auf Menschen überleben. Hier ist eine Behandlung der Ratten mit einem Spot-On Präparat (gegen innerliche und äußere Parasiten) oder einem ähnlichen, äußerlich anzuwendenden Mittel erfolgreich. Es empfiehlt sich, prophylaktisch zweimal im Jahr seine Ratten mit einem derartigen Medikament zu behandeln. Sulfur-Globuli (Streukügelchen)  sind für Haut und Fell der Ratten gut und können nach einer Medikamentenbehandlung gegeben werden. Auch nach Antibiotika-Anwendung ist Sulfur geeignet, um den Körper zu entgiften. Hierfür reicht eine einmalige Gabe von 5 Kügelchen nach Abschluß der Antibiotika-Behandlung.

Rattenböcke können im höheren Alter eine Hinterhandschwäche oder Lähmung bekommen und dann nicht mehr gut klettern. Für diesen Fall sollte man ihnen eine Etage, von der sie nicht herunterfallen können, z. B. am Boden des Käfigs, mit Häuschen, Futternapf und Trinkflasche einrichten, spezielle Nahrung (z. B. Babybrei mit Gemüse) anbieten, wenn sie nicht mehr richtig fressen können,  und ihnen notfalls auch bei der Pflege helfen - Schnauze, Pfoten, Hinterteil und den Schwanz waschen.

Manche Ratten leiden an Fettsucht. Das ist oft genetisch bedingt. Man sollte jedoch nicht das Futter reduzieren, da die Ratten Kohlenhydrate, Proteine, Vitamine, Mineralien usw. brauchen. Es ist jedoch darauf zu achten, daß nicht zu viel fettreiche Zutaten wie z. B. Nüsse im Futter enthalten sind. Dafür kann man mehr Frischfutter geben und den Tieren mehr Auslauf und Bewegung verschaffen. Stark übergewichtige Tiere neigen auch oft zu Ballenabszessen. 

 

Ältere Rattenweibchen bekommen manchmal Gesäugetumore. Diese sind meist gutartig und können operativ entfernt werden. Oft entstehen jedoch Rezidive, d. h. es treten erneut Tumore auf. Die Rättinnen scheinen aber keine Schmerzen zu haben und können damit noch sehr alt werden. Wenn der Tumor jedoch so groß ist, daß er aufbricht, die Ratte dadurch behindert wird und mager und hinfällig ist, sollte man das Tier euthanisieren (einschläfern) lassen.

Ein guter Züchter wird natürlich keine Tiere verpaaren, in deren Linien Tumore oder andere Krankheiten gehäuft auftreten. 

      

Gesäugetumor bei einer 2-Jährigen Rättin 

 

Weiteres zur Rattenhaltung hier: FAQs (bittte anklicken)

Wenn Sie einen Rat brauchen, können Sie uns gerne kontaktieren. Wir würden uns freuen, unsere Erfahrungen mit anderen teilen zu können.

Es gibt viele Rattenbücher, das beste scheint uns im Moment das von Brigitte Rauth-Widmann "Meine Ratten" zu sein.

Empfehlenswert ist auch das Buch des Schweizer Rattenclubs: Leitfaden zur optimalen Rattenhaltung (Näheres unter www.rattenclub.ch).